Expansion in Vorbereitung

PC-Spezialist Franchise AG: In Schloß Holte wird diese Firma, die 1,7 Milliarden Mark Umsatz macht, Büros eröffnen – und Steuern zahlen

Bielefeld. Es waren einmal drei arme Studenten, die kamen mit ihrem Monatssalär nicht aus. So beschlossen sie vor zehn Jahren, sich durch den Handel mit Computern ein Zubrot zu verdienen. Inzwischen machen die drei Herren einen märchen­haften Umsatz: 1,7 Milliarden Mark werden es im Jahr 2000. Und nach tausendundeiner Nacht sollen es sogar zehn Milli­arden sein. Das ist das erklärte Ziel von Thomas Kruse (37), An­dre Flottmann (33) und Frank Roebers (32) aus Bielefeld. Und die Gemeinde Schloß Holte-Stu­kenbrock wird von dieser geplan­ten Expansion der PC-Spezialist Franchise AG profitieren. Deren Marke „Microtrend“ richtet derzeit ihre Zentrale an der Schloß­straße ein.
Bislang hatte Microtrend den Hauptsitz in Bielefeld und zieht nur zu gerne nach Schloß Holte­-Stukenbrock. Das Engagement zur Förderung der Wirtschaft im­poniert Vorstandssprecher Frank Roebers. „Dort“, sagt er. „haben wir Bedingungen, die wir in Bielefeld zurzeit nicht vorfin­den.“
Bürgermeister Hubert Erich­landwehr, der es zusammen mit Michael Siedenhans, Christian Hayk und Helmut Geiss (alle CDU) schaffte, vom Standort Schloß Holte-Stukenbrock zu überzeugen und mit der ehemali­gen Popovich-Villa eine geeigne­te Immobilie zu vermitteln, freut sich über Renommee-Gewinn, neue Arbeitsplätze und einen wa­ckeren Gewerbesteuerzahler. „Der PC-Spezialist hat locker nachgefragt, und ich habe nicht lockergelassen. «
Kruse, Flottmann und Roe­bers haben die Firma PC-Spezia­list vor neun Jahren gegründet und ein Franchise-System entwi­ckelt, dass inzwischen als das bes­te in der Bundesrepublik gilt. Un­ter der Marke „PC-Spezialist“ vergibt das Unternehmen Ver­triebslizenzen mit Vorliebe an Existenzgründer. Die werden ge­wissermaßen mit einem Rund­um-sorglos-Paket im Rahmen ei­nes Zehn-Jahres-Vertrages ver­sorgt: Kaufmännische Schulung, komplettes Betriebskonzept in­klusive Marketing und Vor-Ort­-Betreuung. Mehr als 120 Frauchi­senehmer gibt es inzwischen, und seit dreieinhalb Jahren hat keiner mehr gekündigt. „Es ist“, freut sich Roebers, „ein sehr stabi­les System.“
„Wir wollen der größte und einzige Anbieter sein“
Das andere Standbein der Ak­tiengesellschaft, die vor einem Jahr den Börsengangan den Neu­en Markt in Frankfurt antrat, ist seit 1995 Mi­crotrend. Diese Einkaufkoopera­tion hat mittlerweile mehr als 460 Partner, für die Preise ausge­handelt und in Zukunft auch Lie­ferverträge abgeschlossen wer­den. Microtrend wächst jährlich um 70 Prozent. Das passt hervor­ragend in das Konzept von Kru­se, Flottmann und Roebers, die bei Firmengründung antraten, Marktführer in Deutschland zu werden.
Dieses Ziel könne im kommen­den Jahr durchaus erreicht wer­den, sagt der Vorstandssprecher. Und dann geht es daran, Europa zu erobern. Mit der Übernahme des österreichischen Franchisege­bers „Computerhaus“ hat die AG den ersten Schritt getan, der ei­gentlich erst für das Jahr 2003 ge­plant war. „Jedes Land, das nicht östlich von Deutschland liegt“. so Roebers, „ist für uns interes­sant. Wir wollen der größte und­ wenn möglich – der einzige An­bieter sein.“ Dann will die PC­ Spezialist Franchise AG 10.000 Partnerbetriebe und zehn Milliar­den Mark Umsatz vorweisen kön­nen. Diese Expansion ist derzeit in Vorbereitung. In einem ersten Schritt hat der Vorstand seinen Aktionären versprochen, im Jahr 2002 mindestens 1.219 Micro­trend- und 246 PC-Spezialist­-Partner und ein Außenhandels­volumen von 2,9 Milliarden Mark zu haben.
Die Schnelligkeit der Bran­che kommt den PC-Spezialisten sehr entgegen. Sie vertrauen Gor­don Moore. dem Gründer der Fir­ma Intel, dessen Prognose sich bislang bestätigt hat: Alle neun Monate halbiert sich der Preis und verdoppelt sich die Leistung auf der gleichen Fläche Silizium. „Wir haben noch zehn Jahre Ruhe“, sagt der Vorstandssprecher, der hinzufügt: „Mindes­tens.“ Denn bis zur Marktreife von Hochleistungsrechnern, die eine ausgereifte Spracherken­nung haben und auf menschliche Bedürfnisse abgestimmt sind, werde es mindestens noch bis zum Jahr 2010 dauern.
Schon in gut einem Jahr soll sich die Zahl der Microtrend ­Partner beinahe verdreifacht ha­ben. Dann braucht der Betrieb auch mehr Mitarbeiter. In der Po­povich-Villa werden zunächst acht Angestellte die Partnerbetreuung und Akquise überneh­men. Schon jetzt werden weitere Mitarbeiter gesucht .
STICHWORT
PC-Spezialist Franchise AG
8,50 Euro kostete eine Aktie der PC Spezialist Franchise AG beim Börsengang im Au­gust 1999. Inzwischen hat sich der Wert fast vervierfacht. Die Erlöse aus dem Börsengang, der laut Vorstandssprecher Frank Roebers dem Unterneh­men den Zugang zum Kapital­markt erleichtert, wurden bis­lang nicht angetastet.
Zur Stärkung der Markposi­tion hat die AG jetzt die soge­nannte virtuelle Distribution eingeführt. Dabei laufen so­wohl die Preisverhandlungen als auch die Bestellungen aus­schließlich über die Firmen-­Zentrale. Die Bündelung der Einkaufskraft ermöglicht Best­preise für die Partner und eine genaue Verfolgung der Wa­ren- und Geldströme. Den­noch verzichtet PC-Spezialist weiterhin auf ein eigenes La­ger und setzt auf die dezentrale Lieferung.
Auf diesem Markt werden Computer, Telekommunikati­on und Internet zunehmend vernetzt. Deshalb hat die PC-­Spezialist Franchise AG Ko­operationsverträge mit AOL. Mannesmann und o.tel.o. abgeschlossen.

Neue Westfälische Nr 274, Freitag, 24.November 2000