Gang an die Börse hat PC Spezialist gut getan
Bielefeld. Der Börsengang des Bielefelder Franchisegebers PC Spezialist ist dem Unternehmen gut bekommen. "Knapp neun Millionen Mark sind dadurch in die Kasse gekommen", gab der Vorstandssprecher der AG, Frank Roebers, bekannt.
Mit dem Geld will die Firma mit Sitz an der Eckendorfer Straße ihre Expansion fortsetzen. Rund eine Million hat PC der Börsengang gekostet, bestätigte Wirtschaftsjurist Roebers (32) gestern bei der Bilanz-Pressekonferenz. Die fand - typisch für das junge, innovative Unternehmen - als Telefon-Pressekonferenz für rund zwei Dutzend Redaktionen von Bielefeld aus statt. Company Relations Manager Frank Machwitz schließt Bilanz-Chats via Internet künftig nicht aus. Die Firma vergibt Franchise-Lizenzen im Informations-Technologie (IT)- und Medien-Markt unter der Dachmarke "PC Spezialist". Neben einer Aufnahmegebühr zahlen die knapp 500 Franchisenehmer monatlich Marketing und Lizensgebühren an die Bielefelder. Außerdem führt die AG eine IT-Kooperation als Einkaufs- und Marketinggemeinschaft unter der Marke "Microtrend". Neben der Aufnahmegebühr zahlen Partner eine Provision für ihre Wareneinkäufe an die AG. Ein PC- Franchisenehmer verdient im Schnitt im ersten Jahr 300.000 DM, im zweiten Jahr 400.000 DM. Der Außenumsatz erreichte erstmals 1,1 Milliarden DM (1998 700 Millionen), der Konzernumsatz stieg um 24 Prozent auf 14,53 (11.72) Millionen DM und der Gewinn von 1,79 auf 2,96 Millionen DM. "Wir sind rentabler geworden als ursprünglich geplant", meinte der Vorstandssprecher. Die Eigenkapitalquote von 83 Prozent und die Selbstfinanzierungskraft von 126 Prozent erreichen ein sehr hohes Niveau. "Sie bilden eine hervorragende Ausgangsbasis für das weitere Wachstum", meint Roebers. Dividende will die junge AG aber noch nicht zahlen. Und für dieses Geschäftsjahr will sich der Vorstand jetzt noch nicht festlegen. Fest steht aber, weil die Firma verdientes Geld, statt auszuschütten lieber thesaurieren will, muss sie mehr Steuern zahlen. Die Aktie der PC-Spezialist Franchise AG schloss Dienstag am Neuen Markt mit einem Kurs von 61,50 Euro. Ihr Höchststand lag bei 73,80, ihr Tiefbei 16 Euro. Der Vorstandsvorsitzende: "Wir finden unsere Aktie so gut, dass wir sie selbst auch noch halten." 26,14 Prozent des Kapitals sind gestreut. Vorstandsmitglied und Firmengründer Thomas Kruse hält 55,40 % des Grundkapitals, Vorstandsmitglied Andre Flottmann 18,46 Prozent. Die Vorstandsbezüge betrugen 1,1 Millionen DM (860 000).
30 von 100 Haushalten haben erst einen PC
Dem Aufsichtsrat gehören an: Dr. Günter Lewald (Vorsitzender), Geschäftsführer der Berentzen Brennereien (Haselünne), Dr. Eckhard Flohr, Anwalt bei Bender-Zahn- Tigges (Düsseldorf) sowie Heinz Haller, Vorstand der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg (Stuttgart) Das Unternehmen sieht weitere Wachstumschancen. "Die Deutschen", versichert Roebers, "sind besser als ihr Ruf'. 30 Prozent der Haushalte sind bereits ans Netz angeschlossen - ,,70 Prozent müssen noch ran, das ist gut für uns". Und diejenigen, die schon einen zwei Jahre alten Computer besitzen, brauchen bald wieder einen neuen PC. Die Expansion schafft im Personalbereich ernste Probleme. Die 26 Mitarbeiter der AG sollen in diesem Jahr um weitere zehn erhöht werden. Doch der Markt scheint leer gefegt zu sein für den Finanz-, Franchise und Marketingbereich, an Diplom-Kaufleuten sowie an IT - Programmierern. "Wir nehmen ja fast schon jeden", klagt Vorstands-Sprecher Roebers.

