„Ich fühlte mich wie Robin Hood“


Als er Vater wurde, brach Andre Flottmann sein Studium ab und über­nahm die Betriebsleitung in einer Firma, für die er gejobbt hatte. Er gründete zudem PC-Spezialist mit. Nebenbei verfasste er auch einige Artikel für die EHZ – EDV-Handelszeitung.

ITB: Können Sie sich noch an Ihren ersten Computer erinnern?
FLOTTMANN: Mein erster Rechner war ein Commodore 64 – das muss wohl 1982 gewesen sein – am Anfang meiner Ausbildung. En­de 1987 nahm ich gleich richtig viel Geld in die Hand und kauf­te mir einen IBM 286 mit 3,5- Zoll-Laufwerk und Zwei-Mega­byte-Festplatte. Das war heiß, denn vier Jahre später sollten wir in der Fachhochschule an einer Anlage mit Acht-Zoll-Disketten das Programmieren lernen.
lTB: Sie hatten bereits Ihre Lehre zum Informationselektroniker abge­schlossen und wollten eigentlich studieren. Was ist passiert?
FLOTTMANN: Richtig, geplant waren noch vier Jahre Studium der Informationstechnik und zwei Jahre BWL Aufbau. Aber es kam ganz anders: Thomas Kruse, für den ich nebenbei Computer und Netzwerke für seine Firma RabBit Computer GmbH „gebaut“ ha­be, bat mich, die Betriebsleitung der Firma zu übernehmen. Paral­lel wurde ich von meiner Frau da­mit konfrontiert, dass ich Vater mit 23 Jahren werde. Also ent­schloss ich mich, das Angebot von Thomas anzunehmen. Dies war im April 1991.
ITB: Sie haben ja einige Artikel für die EHZ geschrieben. Wie kam das?
FLOTTMANN: Mir haben immer die Fachhändler und die kleineren Marktteilnehmer besonders am Herzen gelegen. Aus eigener Er­fahrung mit RabBit Computer wusste ich, wie schwer „wir“ es am Markt sowie gegen die gro­ßen Hersteller und Discounter­ketten haben. Ich fühlte mich wie Robin Hood, der den Kleinen eine Hilfestellung bietet.
lTB: Wenn Sie sich an die 20 Jahre in der IT-Branche zurückerinnern: Was waren Ihre Höhepunkte?
FLOTTMANN: Spannend fand ich die Konzentrationsprozesse im Markt, aber auch die Globalisie­rung. Mein eigenes persönliches Highlight war die Auszeichnung „Best European Retailer of the Year“ 1998, die wir von Global Touch auf der Konferenz in Paris erhalten haben. Wir hatten mit dem Franchise-Gedanken von PC-Spezialist bewiesen, dass wir einen Markt völlig neu gestalten konnten.
ITB: Wie sehen Sie den Wandel in der Informationstechnologie?
FLOTTMANN: Vor 20 Jahren stand der „Technik-Interessierte“ als Kun­de im Vordergrund. Jetzt hat sich der IT-Kunde zum „Nutzenorien­tierten Kunden“ gewandelt. IT wird „konsumiert“. Ein Beispiel ist Apple, die heute mit ihrem ganzheitlichen Konzept viel mehr Kunden gewinnen als damals.

Eine Online-Anekdote
Bei PC-Spezialist hat man bereits recht früh die Listen mit den aktuellen Lieferpreisen jede Nacht über das Internet verschickt. Zu­dem war der gesamte Verbund über Lotus­Notes miteinander vernetzt. Als PC-Spe­zialist als Vollmitglied in den Deutschen Franchise-Verband eintreten wollte, wo unter anderem McDonalds und Co. vertre­ten sind, war eine Vorraussetzung ein Fran­chise-Handbuch mit den Regeln der Grup­pe. „Die verstanden gar nicht, dass wir alles online hatten“, erklärt Flottmann. „Frank Roebers und Friedrich Pollert mussten sich daraufhin ein Jahr hinsetzen, um dieses Buch zu schreiben. Wir waren unserer Zeit einfach voraus.“