Leichter Gegenwind
Gütersloh/Bielefeld. Der Aktienkurs der am Neuen Markt gelisteten Bielefelder PC Spezialist AG hat sich im vergangenen Jahr von 21 Euro am 26. Januar auf rund 72,5 Euro. Seit Monaten hält sich das Papier deutlich besser als der schwächelnde Markt. Trotzdem: So jubelnd und harmonisch wie es sich die PC-Spezialist-Lenker vielleicht erhofft hatten, verlief die erste Hauptversammlung gestern nicht.
Auf Kritik stieß unter anderem der Vorschlag des Vorstandes, auf eine Dividendenausschüttung zu verzichten und den 99ger Bilanzgewinn in Höhe von 2,47 Millionen Mark einzubehalten. Vorstand Frank Roebers begründete die (anschließend von der Hauptversammlung auch beschlossene) Thesaurierung vor allem mit den ehrgeizigen Wachstumszielen, für die entsprechend investiert werden müsse.
Den Hinweis eines Aktionärs, dass eine Dividende ausgeschüttet und später durch eine Kapitalerhöhung (steuersparend) ins Unternehmen zurück geholt werden könne, beantwortete Firmengründer Thomas Kruse mit dem Hinweis auf eine Studie des Magazins "Spiegel": Demnach seien aufstrebende Unternehmen in vergleichbaren Fällen von der Börse mit starken Kursverlusten "bestraft" worden.
Auch die Besetzung des Vorstandes wurde von einem Aktionär moniert: Drei Vorstandsmitglieder seien für eine junge AG mit 14,5 Millionen Mark Umsatz (1999) und 34 Mitarbeitern (März 2000) zu viel. Kruse entgegnete, die Bielefelder AG leite immerhin ein komplexes System mit 1,1 Milliarden Mark Außenumsatz, die 1999 von 98 Franchise-Nehmern ("PC-Spezialist") sowie 396 Einkaufs- und Werbepartnern (unter der Marke Microtrend") erzielt wurden.
Frank Roebers hatte den Aktionären zum Auftakt einen rosigen Ausblick in die Zukunft gewährt:
So solle die Zahl der Partner bis 2002 auf insgesamt fast 1.500 wachsen. Ein Jahres-Außenumsatz von drei Milliarden Euro sei bis dahin realistisch. Die AG-Gewinne sollen in jedem Jahr mit mehr als 50 Prozent steigen.
Allen guten Zahlen zum Trotz:
Den stärksten Gegenwind von den rund 100 in der Gütersloher Stadthalle erschienenen Aktionären erntete der Vorschlag, die Vergütung der drei Aufsichtsräte Günter Lewald (Haselünne), Eckhard Flohr (Düsseldorf) und Heinz Haller (Stuttgart) zu erhöhen. Sie sollen künftig zwischen 10.000 und 20.000 Euro Grundvergütung beziehen sowie zwischen 2.000 und 4.000 Euro für jede Sitzung. Der Vorschlag wurde von einem guten Dutzend Aktionären abgelehnt, die allerdings nur über 0,17 Prozent des Kapitals verfügten und deren Votum mithin kaum mehr als ein Zeichen war.
Mit mehr als 99prozentiger Zustimmung (die Vorstandsmitglieder Thomas Kruse und Andre Flottmann verfügen über rund 68 Prozent der Stimmrechte) wurden alle Anträge gebilligt:
ein Aktiensplit 1:1;
die Schaffung neuen genehmigten Kapitals in Höhe von 1,9 Millionen Euro, etwa um Akquisitionen zu ermöglichen;
die Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien, etwa um Kurspflege betreiben zu können.
Neue Westfälische NR. 172, Donnerstag, 27.Juli 2000

