McDonald's der PC-Branche betritt Börse

PC-Spezialist Franchise AG setzt auf Neulinge als Partner / E-Commerce soll Wachstumsschub bringen

Bielefeld (blo). Klops-König McDo­nald's machte Franchising weltweit po­pulär, ist das Vorbild für die PC-Spezia­list Franchise AG (Bielefeld). Die be­tritt am 25. August das Börsenparkett, wird die erste Franchise-Aktie am Neu­en Markt in Frankfurt. Mit dem ameri­kanischen Systemgastronomie-Riesen mag sich PC-Spezialist gern verglei­chen lassen.
"Wir sind der McDonald's der Infor­mationstechnologie-Branche", sagte vor der Presse Frank Roebers (31), Vor­standssprecher des Bielefelder Unter­nehmens. Ebenso wie McDonald's stüt­ze sich PC-Spezialist stark auf exakte Planung sowie Service-Qualität und be­vorzugte die gleichen, gut per Auto zu erreichenden Immobilienlagen.
Beim Franchising treten rechtlich selbständige Unternehmer unter einem einheitlichen Erscheinungsbild am Markt als Franchise-Nehmer auf. Sie erhalten vom Franchise-Geber (hier PC­-Spezialist) gegen Entgeld ein Paket mit diversen Leistungen. Die Bielefelder bieten ihren Partnerfirmen beispielswei­se ein vollständiges Konzept für den Absatz und die Betriebsführung inklusi­ve gemeinsamer Werbung. Hinzu kom­men niedrige Einkaufspreise für Perso­nalcomputer (PC), Notebocks. Drucker und Software etc. durch die Bündelung des Einkaufsvolumens, das in diesem Jahr 700 Mio. DM erreichen dürfte. Die Zentrale der Aktiengesellschaft fungiert als Ausbildungs- und Trainingsstätte ebenso wie als Finanzberater und Konditionenmakler, ist nicht Händler sondern reiner Dienstleister.
In der deutschen Franchise-Branche , die 1998 über 40 000 neue Stellen schuf, schnitten die Bielefelder bei ei­nem Vergleichstest als Beste ab. Roe­bers stolz: "Wir haben einen Wettbewerbsvorsprung von fünf Jahren." Die seit 1998 bestehende AG - hervorge­gangen aus der 1991 gegründeten PC ­Spezialist Computervertriebs GmbH ­könne sehr unabhängig agieren, weil sie von Anbeginn auf Bankenfinanzie­rung verzichtete. Franchising sei ideal für Existenzgründer, betonte Roebers. PC-Spezialist nehme am liebsten Leute als Franchise-Nehmer, die noch nie in der Informationstechnologie gearbeitet haben: "Die sind viel offener."
Branchenerfahrene könnten sich nur schwer mit dem System anfreunden, dessen Einhaltung überprüft werde. Die meisten Franchise-Nehmer sind den Angaben zufolge unter 30 Jahre jung. Die .Eintrittsgebühr" beträgt 25000 DM, die Eingliederungszeit dau­ert mindestens sechs Monate, manch­mal aber auch drei Jahre. Bis zum Jahr 2002 rechnet Roebers mit der Eröff­nung von weiteren 100 neuen Franchi­se-Betrieben; derzeit sind es 89.
Hinzu kommen 285 Einkaufspartner der Informationstechnologie-Gemein­schaft "microtrend", die die Einkaufskonditionen und Marketingaktivitäten von PC-Spezialist nutzen. Für 1999 kal­kuliert der Vorstandssprecher, dass ins­gesamt 430 (Vorjahr 332) Partner einen Brutto-Außenumsatz von 950 (Vorjahr 724) Mio. DM erzielen; bis 2002 wird das Potential mit zusätzlich insgesamt 500 neuen Partnern auf 2,7 Mrd. DM Umsatz geschätzt.
Der Konzernumsatz der 26 Mitarbeiter beschäftigenden AG soll 1999 auf 14,7 (11,7) Mio. DM steigen, das Konzern-Ergebnis auf 14,7 (11,7) Mio. DM wachsen. Bis 2002 ist ein Umsatz von 127 Mio. DM mit 60 Mitarbeitern anvi­siert. Maßgeblich zum Wachstums­sprung beitragen soll der Bereich E-Commerce, für den Mitte 2000 die Gründung einer eigenen Aktiengesell­schaft erwogen wird. An ihr sollen sich Franchise-Nehmer beteiligen. PC-Spe­zialist als Muttergesellschaft würde an der Tochter mindestens 55 % halten.
Nach dem Börsengang der PC-Spe­zialist Franchise AG hält Vorstand und Firmengründer Thomas Kruse gut 55 (zuvor 75 ) % und Vorstand Andre Flott­mann (33) gut 18 (25) % des Grundka­pitals von über 3,8 (zuvor 3,3) Mio. Euro. Die Altgesellschafter bleiben also Mehrheitsaktionäre. Breit gestreut wer­den 26,14 %. Der Emissionserlös soll sowohl dem E-Commerce-Geschäft als auch der Akquisition branchennaher Unternehmen sowie dem Ausbau des Gesamt-Geschäfts in Europa dienen.

Neue Westfälische, 17.08.99

McDonald's der PC-Branche betritt Börse