Pc-Spezialist begnügt sich mit konservativer Strategie

Ausbau des Kerngeschäfts steht im Vordergrund-Internet-Pläne aus Eis gelegt-Zahl der Partner soll weiter stark wachsen

Weder Börsenstar im Rampenlicht noch Pleiteunternehmen mit riesiger Cashburn-Rate: Die Karriere der PC-Spezialist Franchise AG am Neuen Markt verdient bislang das Prädikat „solide aber unauffällig“. Verluste hat es bei der seit 1999 notierten Bielefelder Gesellschaft noch nicht gegeben. Und mittlerweile könne es Gesellschaften -zumal im IT-Sektor- schon als Erfolg verbuchen, wenn ihre Börsennotierung über dem Ausgabepreis liegt. Das ist bei PC-Spezialist der Fall, wenn auch mit einer nicht gerade üppigen Differenz von 16%. Die Zahlen, die der Vorstand von Quartal zu Quartal vorlegt, sind in der Regel robust und dokumentieren anhaltendes Wachstum im Kerngeschäft. Der Schönheitsfleck auf dieser ziemlich weißen Weste: Von den hochfliegenden Plänenen zum Börsenstart, vor allem im E-Commerce, musste sich das Unternehmen verabschieden. Strategisch schlägt Vorstandssprecher Frank Roebers seit einiger Zeit eine konservative Richtung ein und setzt praktisch ausschließlich auf die Expansion im kerngeschäft.

Einziger Franchisewert

Was macht PC-Spezialist? Die Bielefelder nehmen für sich in Anspruch, die einzige wirkliche Franchise-Aktie am neuen Markt zu sein. Es handelt sich um eine Franchisekette für den IT-Einzelhandel, der 134 Geschäfte angehören. Die selbstständigen Einzelhändler erhalten von der Bielefelder PC-Spezialist-Zentrale ein fertiges Konzept für Beschaffung und Absatz. Um Marketing braucht sich der einzelne Partner nicht zu kümmern. Dafür sind die Vorschriften der Zentrale strikt: Sie muss die Ladenimmobilie absegnen und schreibt auch Innenausstattung sowie die Kleidung der Mitarbeiter vor.
Das zweite Standbein des Unternehmens ist die Einkaufsgemeinschaft Microtrend, der sich 729 Händler angeschlossen haben. Der Außenumsatz aller Partner werde im laufenden Jahr rund 2 Mrd. DM betragen, sagte Roebers im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. Die Zahl der angeschlossenen Betriebe will der ambitionierte Manager im kommenden Jahr auf über 1400 steigern. Zu 90% werde PC-Spezialist in naher Zukunft seine Energie auf den deutschen Markt richten, betont Roebers. Im Bereich der IT-Einkaufskooperation sieht hierzulande durchaus Übernahmemöglichkeiten. Mit aktuell rund 13 Mill. Euro an liquiden Mitteln hält sich der Vorstand für gute ausgestattet.
Andere Pläne haben die Ostwestfalen dagegen auf Eis gelegt. Im virtuellen Musikgeschäft als Konkurrenz zu Napstar und Co. wollte sich PC-Spezialist im März 2000 mit der Neugründung E-Music etablieren. Bereits nach gut einem Jahr war der Börsengang geplant. „Unsere Eigenkapitalrendite wurde damals von den Analysten kritisiert“, sagt Roebers heute. Die hätte durch die ausgliederung gesteigert werden sollen. „Das hat nicht funktioniert“, gibt der Vorstandssprecher unumwunden zu. Zum Glück seien keine riesigen Wertberichtigungen nötig gewesen, da das Unternehmen das neue Geschäft nur auf kleiner Flamme ausprobiert habe.

Zögerlich ins Ausland

Auch die Internationalisierung hat bislang nur in Ansätzen stattgefunden. Anfang 2000 hatte PC-Spezialist die Mehrheit bei einer Franchisekette in Österreich übernommen. Die Anpassung eines fremden Franchisesystems gestaltet sich allerdings schwierig, hat Roebers gelernt. So plant er, in Zukunft auf ausländischen Märkten eher Eigengewächse zu starten., als etablierte Ketten zu kaufen.
Aktuelles Thema derzeit ist bei den Bielefeldern die so genannte virtuelle Distribution. Dabei will PC-Spezialist bei den Computerherstellern die Waren bestellen und zum Einkaufspreis an seine Partner weiterverkaufen. Bisher handelt das Unternehmen nur mit den Lieferanten die Preise zentral aus, die Partner bestellen aber direkt bei den Herstellern. Das birgt Probleme: Der Betrugsfaktor bei den Lieferanten sei recht hoch, stöhnt Roebers. PC-Spezialist kassiert vom Umsatz der Hersteller mit den abgeschlossenen Partnern 1% Provision. Diese Provisionen machen den größten Einnahmeblock der Gesellschaft aus.

Kommunikationsaufgabe

Die Meldedisziplin der Lieferanten sei jedoch recht lasch, sagt Roebers. Derzeit kämen bei PC-Spezialist nur etwa 0,5% auf das Einkaufsvolumen wirklich an. Außerdem meint das Unternehmen, mit den zentralen Bestellungen noch größere Rabatte aushandeln zu können.
Ganz einfach ist es mit der Umstellung auf die virtuelle Distribution jedoch nicht. Zum einen müssen zusätzliche Forderungsrisiken abgedeckt werden, die durch die hohen Umsätze entstehen, die dann über den PC-Spezialist abgewickelt werden. Dafür will das Unternehmen einen Finanzdienstleister in Anspruch nehmen. Zum anderen gibt es laut Roebers Vorbehalte bei den Lieferanten.
Mit Blick auf den Finanzmarkt rollt ein weiteres Problem auf den Vorstand zu. bei voller einführung der virtuellen Distribution wird der Umsatz von PC-Spezialist gewaltig anschwellen, der Gewinn aber wegen des ergebnisneutralen Charakters des Geschäfts nicht oder nur indirekt über die vollständige Transparenz der Warenströme steigen. Das drückt auf die Marge Während das Unternehmen im laufenden Jahr vorraussichtlich mit einer Ebit-Marge von 45% glänzen kann, ginge es dann rapide nach unten. Diesen Sachverhalt zu klären, hält Roebers für eine große Kommunikationsaufgabe.
Schon im laufenden Jahr hat die virtuelle Distribution Einfluss auf das Zahlenwerk. Die Umsatzprognose musste der Vorstand Anfang November um über 70% auf 13 Mill. Euro zurücknehmen. Der Grund: In die Planung waren 30 Mill. Euro Umsatz aus der virtuellen Distribution eingerechnet, deren Einführung nach einem missglückten Start im Vorjahr sich allerdings noch etwas hinauszögert. Auch die Ergebnisprognose musste PC-Spezialist zurücknehmen. Sie sank von 1,54 Euro auf 1,20 Euro je Aktie für 2001, was aber immer noch einen anstieg um 50% bedeuten würde.
Mit einer Dividende können die Aktionäre trotzdem nicht rechnen. Denn die virtuelle Distribution dürfte auch erhebliche Auswirkungen auf die Eigenkapitalquote haben, die derzeit noch bei etwa 72% liegt. Es mache wenig Sinn, jetzt auszuschütten und bei einer hohen Bilanzsumme später wieder nötiges Eigenkapital über eine Kapitalerhöhung hereinzuholen, so Roebers.