PC-Spezialist will das Geld nicht für teure Zukäufe verplempern

Mehr als eineinhalb Jahre nach ihrem Gang an den Neuen Markt hat die bielefelder PC-Spezialist Franchise AG ihren Emissionserlös noch nicht angetastet. „Wir haben uns intensiv mit dem Thema Aquisition auseinander gesetzt und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir besser damit fahren, uns selbst unsere Franchise-Partner zu suchen“. sagte Frank Roebers, Vorstandssprecher der Computerkette, am Mittwoch in Frankfurt. Potenzielle Übernahmekandidaten seien nicht nur teuer, sondern würden die eigenen Margen verwässern, gab er sich selbstbewusst.

Während PC-Spezialist den Konzerumsatz im vergangenen jahr nach eigenen Angaben um 152% auf 18,7 Mill. Euro steigerte, erhöhte sich der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) lediglich um 41% auf 4,95 Mill. Euro. Die durch die Diskrepanz zwischen Umsatz- und Ergebnisentwicklung hervorgerufene Halbierung der Ebit-Marge auf 23% erschreckt aber nur auf den ersten Blick. “ Durch die Einführung der virtuellen Distribution im vergangenen Geschäftsjahr hat sich die Berechnungsgrundlage für die Ebit-Marge grundsätzöich verändert“, erklärte Roebers.

Bisher verhandelte PC-Spezialist nur mit den Computerlieferanten. Kam es zu einem Vertrag zwischen den Lieferanten und einem Franchisenehmer des Unternehmens, war PC-Spezialist darauf angewiesen, dass die Lieferanten die vereinbarte Provision von 1% auch bezahlte. Bei der virtuellen Distribution über das Intranet schalten sich die Bielefelder nun auch vertraglich zwischen Lieferant und Partnerunternehmen. Deshalb bezahlt der Franchisenehmer die gelieferten Computer an PC-Spezialist, die wiederum den Lieferanten auszahlt. So profitiert das Unternehmen Roeber zufolge nicht nur von der im allgemeinen höheren Vertragstreue der eigenen Partnerunternehmen, sondern kann auch einen höheren Provisionsanteil von 3 bis 4 % einbehalten, da das Online-Order-System den Lieferanten den Lieferanten erhebliche Einsparungen ermöglicht. Von den 190 Lieferanten, mit denen PC-Spezialist arbeitet, haben sich den Angaben zufolge erst acht von den Vorteilen der virtuellen Distribution überzeugen lassen. Dabei handelt es sich allerdings mit Abstand um die wichtigsten, denn mit ihnen werden 80% der Umsätze generiert.

Unter dem Dach der Gesellschaft sind zwei Marken zusammengefasst. Während PC-Spezialist das Franchisegeschäft mit 142 Partnerbetrieben zusammenfasst, bietet die 100-prozentige Tochtergesellschaft Microtrend die bestehenden Einkaufsstrukturen auch Unternehmen an, die kein Franchiseverhältnis eingehen können oder wollen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr trugen beide Bereiche zu gleichen Teilen zum Betriebsergebnis bei. Der Löwenanteil des Umsatzes entfiel mit rund 14,4 Millionen Euro auf das Franchisegeschäft. Für das Jahr 2001 strebt Roebers an, den Umsatz auf 49,3 Mill. Euro mehr als zu verdoppeln. Das Ebit soll sich derweil auf 5,9 Mill DM erhöhen. Der Aktienkurs schloss am Mittwoch knapp 5% leichter bei 17,14 Euro.