Schlanke Führung plant fette Gewinne

Pc-Spezialist-Grüner Thomas Kruse verkauft 1,1 Millionen Aktien/Rückzug in den Aufsichtsrat

Thomas Kruse, der Gründer der Bielefelder PC Spezialist Franchise AG, hat mehr als die Hälfte seiner Aktien verkauft: Zwischen September 2000 und Januar 2001 hat der 38 Jährige nach Unternehmensangaben rund 1,1 Millionen Aktien an Fonds und institutionelle Anleger abgegeben. Mark Schröder, der bei PC-Spezialist für Investor Relations zuständig ist, betonte, die „Umplatzierung“ seien nicht über die Börse gelaufen. Als Preis, sei aber ein „börsennaher Kurs“ vereinbart worden.

Die Verkäufe entsprächen den Wünschen der Anleger, teilte das Unternehmen mit. Der Kurs in der PC-Spezialist-Aktie sank in der Zeit der Übertragungen (von Ende Spetember bis Ende Januar) von 37€ auf 29€. Der Gesamtmarkt-Index (Nemax) sank im gleichen Zeitraum allerdings wesentlich stärker-nämlich von 4.887 auf 2.800 Punkte. Vor den Verkäufen hatte die Gesellschaft außerdem einen Aktiensplit im Verhältnis 1:1 durchgeführt, der zur Halbierung des Kurses führte.

Kruse hält den Angaben zufolge jetzt noch 22 Prozent der insgesamt 3,825 Millionen Aktien.

Mit einer verschlankten Führungsspitze will die PC-Spezialist AG (47 Mitarbeiter) künftig ihren Umsatz vervielfachen: Thomas Kruse verlässt zum 1. Juli 2001 den Vorstand und rückt in den Aufsichtsrat. einen Nachfolger für Kruse werde es vorerst nicht geben, erklärte gestern Vorstandssprecher Frank Roebers. Der Vorstand bestehe daher künftig nur noch aus Roebers und Andreas Wenniger, der am Jahresanfang an die Stelle von Co-Gründer André Flottmann gerückt war. Flottmann hatte sich vollständig zurückgezogen, hält aber weiterhin 15 Prozent der Aktien.

Die Veränderungen im Management „werden helfen, Katastrophen zu verhindern“, kommentierte Roebers. “ Wir brauchen Profis, die es gelernt haben, kaufmännische Probleme in den Griff zu bekommen“. Für 2001 sei ein Jahresüberschuss in Höhe bon 3,0 Millionen Euro geplant; in den folgenden Jahren seien Gewinnsteigerungen um 60 bis 70 Prozent möglich. Dividenden sollen jedoch wegen der massiven Expansionspläne vorerst nicht gezahlt werden.

Die am neuen Markt notierte AG hat das Ziel, europaweit 10.000 Franchisenehmer und Einkaufspartner zu gewinnen. Roebers sieht Spielräume durch die Aufgabe von Konkurrenten, selbst wenn der PC-Markt nur noch um etwa acht Prozent jährlich wachse. Der Außenumsatz des Verbundes soll von 1,5 auf zehn Milliarden Mark wachsen – mehr als drei Milliarden Mark sollen dann als Eigenumsatz verbucht werden. Am Ende des ersten Quartals 2001 wurden 686 Microtrend-Partner und 139 Franchisenehmer gezählt. Der Quartalsumsatz wuchs um 97 Prozent auf 4,4 Millionen Euro.